Aus der Luftwaffe

von Adj Uof a.D. Fred Kopp

Eine Epoche geht zu Ende - eine Epoche, die auf politischer Bühne vor einigen Jahren sehr viel zu reden gab. Dazu komme ich dann aber später in meinem Bericht. Über 40 Jahre stand sie im Einsatz der Fliegertruppen, respektive der Luftwaffe. Wovon ist hier die Rede? Natürlich von der Mirage.

Die Mirage stammt aus französischer Produktion. 1999 wurden 29 Abfangjäger des Typs Mirage III S aus dem Dienst genommen. 4 Jahre später, auf Ende dieses Jahres, werden die verbleibenden 16 Klick ins Bild für besser AuflösungMirage III RS ausser Dienst gestellt. Die Armeeführung unseres Landes wird dann über keine taktisch- operativen Luftaufklärungsmittel mehr verfügen. Da wird schnell mal die Frage gestellt: „Kann die heute im Dienst stehende F/A 18 diese Lücke schliessen?“ Eine mögliche Antwort folgt am Schluss meiner Ausführungen. Drehen wir das Rad zurück auf das Jahr 1965: Damals wurde unter grossem Getöse im Vorfeld der Beschaffung, dieser Flugzeugtyp eingeführt. 40 Jahre tat sie Dienst in der Flugwaffe. Die Mirage hinterlässt eine grosse Lücke. Als einziges luftgestütztes Aufklärungsmittel verbleibt die, im Einsatzradius stark beschränkte Drohne ADS95. Wie die Lücke gefüllt werden soll, da sind sich Heer, die Luftwaffe und die Flieger geteilter Meinung. Die Ausmusterung der Mirage Aufklärer ist mit einem argen Know-how-Verlust verbunden.

Kürzlich massen sich an einem Challange in Belgien 14 Luftaufklärer-Teams aus neun Nationen. Die Schweiz errang den 1. Platz. Diese Platzierung sagt ja wohl alles, oder etwa nicht?

Es wird deshalb versucht, den Wissensstand der Piloten und Bildauswertern mit Austausch-Programmen bei ausländischen Aufklärungsteams aufrecht zu erhalten. Dies scheint mir ein Klick ins Bild für besser Auflösungsehr wichtiger Schritt für die Zukunft zu sein. Klassische Aufklärungsflugzeuge, wie es die Mirage III RS war, werden in naher Zukunft nicht mehr existieren. Die neu entwickelten Flugzeuge für militärische Zwecke sind fähig, mehrere Missionen zum Teil sogar gleichzeitig zu erfüllen. Für die Schweizer Luftwaffe wird dies bedeuten, dass eine Staffel der F/A 18 Flugzeuge mit so genannten Aufklärungssensoren nachgerüstet werden muss. Diese Staffel wird in Zukunft nebst luftpolizeilichen Aufgaben auch primär Aufklärungsaufgaben zu lösen haben. Ich denke da zum Beispiel an das alljährlich stattfindende WEF in Davos.

Nun zum Abschluss noch etwas zum „Mirage-Skandal“: Die Beschaffung der Mirage wurde En-de der 50iger Jahre eingeleitet. Ausgerechnet im Skandaljahr 1964 konnte die Fliegertruppe ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Die Beschaffung der Mirage sorgte für politischen Zündstoff. Mängel im technologischen und finanziellen Management bildeten den Gegenstand einer Untersuchungskommission. Weitreichende Konsequenzen, vor allem im personellen Bereich, wurden gezogen. 1961 beantragte der Bundesrat beim Parlament einen Kredit in der Höhe von 871 Mio. Franken für die Beschaffung von 100 Mirage Kampfflugzeugen. Massive Termin- und Kostenüberschreitungen führten zu einem Zusatzkredit von 576 Mio. Franken im Jahre 1964. Dies beantragte die Landesregierung beim Parlament. Nationalrat und späterer Bundesrat Kurt Furgler stellte den Antrag, mit den Beratungen zu warten und eine Kommission einzusetzen. Diesen Antrag unterstützten beide Kammern. Der Bundesrat selber setzte eine Studienkommission ein. Im September 1964 legte die Kommission Furgler ihren Bericht vor. Darin wurde statt der ursprünglich 100 Mirages nur noch die Beschaffung von 57 Fliegern beantragt. Im Oktober 1968 wurde der damalige Kommandant der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen, Div Etienne Primault entlassen und Generalstabschef Jakob Annasohn reichte seinen Rücktritt ein. Der Vorsteher des EMD (wie es damals hiess), Bundesrat Paul Chaudet erklärte 1966 seinen Rücktritt. Seine Partei, die FDP konnte ihm kein Vertrauen mehr aussprechen.

 

 

 

Letzte Bearbeitung am Sonntag, 11. Januar 2004 03:35